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Winterlochparty 2020 in Jena

Meine Frau, Katharina Heusinger und ich, Martin Waubke waren dieses Jahr zum ersten Mal bei der Winterloch Party in Jena. Winterloch Party, was ist denn das? Jens-Peter Planke erzählte uns, wie die Idee von einer Winterlochparty entstand. Bremer Töpfer feiern gern und für sie gehört eine Party zu einem guten Markt einfach dazu. Im Winterloch, also in der Zeit nach Weihnachten, wo keine Märkte stattfinden, gibt es keine Partys. Dies fanden sie schade: Bremer Kollegen organisierten in einem Bremer Loft 2014 die erste Winterlochparty. Über 100 Töpfer kamen. 2015 übernahmen die Krefelder Kolleginnen und es kamen wieder über 100 Leute. Leider fand sich 2016 niemand für die Organisation. Jens Peter ließ sich überreden eine Winterlochparty zu organisieren. Er besprach sich mit Nachbarn und veranstaltete auf seinem Hof im Jahr 2017 wieder eine Winterlochparty. Töpfer, die dort waren, erzählten uns mit leuchtenden Augen, dass Löcher in den zugefrorenen See geschlagen und provisorische Saunahütten aufgebaut wurden. Die nächsten Winterlochparties fanden in Höhr-Grenzhausen und Berlin statt. Jedes Mal fand sich eine Gruppe von Töpfern, die eine Party und verschiedenes Programm drumherum auf die Beine stellten.

 

Also dieses Jahr zog die Winterloch Party nach Jena, von Freitag, den 31.01. bis Sonntag, den 02.02.2020. Über eine Mail von Madleen und Konrad Kröner erfuhren wir von den Vorbereitungen dazu. Als wir lasen, was bereits an Programm feststand, war für uns beide klar, dass wir dort hinfahren wollten. Es gab eine extra eingerichtete Website, mit vielen Unterpunkten :wie Anfahrt ,Programm, allg. Info´s, Übernachtungen, Wettbewerb "Schlimmste Ecke""und ….

 

Zur Planung der Touren gab es Doodle Listen, in die man sich eintrug. Für die gute Stimmung und das gute Klima sorgten das „Thüringer Team“. das sind Hendrik Fröderking, Yvette Klein, Uta Mill, Annette Möbius, Mechthild Schinnerling, Lorenz Wittich und Christian Wolff.. Schon bei der Anreise hatten die Thüringer organisiert, dass wir Töpfer in der Töpferstadt Bürgel das Museum (mit extra Führung) und die historische Werkstatt von Walter Gebauer besichtigen konnte. An beiden Orten schauten wir dann auch vorbei.

 

In Jena und Umgebung hatten sechs Werkstätten für uns geöffnet. Es gab Infos zu zwei interessanten Ausstellungen. Katharina und ich besuchten zwei Orte und nahmen uns dafür Zeit. Die Ausstellung DOPPELSCHICHT 2 von Sibylle Mania / Martin Neubert, Fotografie & Keramik, Plastik Installation, in der Galerie Huber & Treff und die Werkstatt von Ragnvald Leonhardt und Petra Lieberenz. Bei Ragnvald Leonhardt trafen ein paar Töpferkollegen ein. Ragnvald stellte eine Holzplatte auf zwei Holzböcke und Klappstühle neben die Drehscheibe. Er brachte Kuchen, Kaffee und Tee nach Wunsch. Ragnvald erzählte, welche Keramik er herstellt. Für uns war es interessant in eine andere Werkstatt einzutauchen.

 

Anschließend fuhren wir zu unser Unterkunft und dem „Basislager“ (= Schullandheim Stern).

 

Die Fahrt dorthin ist schon ein Erlebnis. Sie war unter den Infos zur Anfahrt passend beschrieben: „Wenn Ihr denkt, hier kommt nichts mehr, seid Ihr dem Ziel schon sehr nahe. Wald, Wald, Wald .... Strecke“.

 

Und als wir gegen 19 Uhr im Schullandheim dann ankamen, war der Großteil der etwa 130 Töpfer schon da. Wir wurden vom Thüringer Team herzlich empfangen. Und zu Essen gab es das "Mitbring-Buffet". Es war reichhaltig und vielfältig. Die Töpfer hatten oft Spezialitäten aus ihrer Gegend zubereitet und mitgebracht, so dass alles auf mehreren Tischen reichlich und gut gefüllt Platz fand.

 

Laufend wurden wir über den Ablauf und das Programm der nächsten beiden Tage informiert. Die Teilnehmer waren bereits in Gruppen aufgeteilt. Listen waren ausgehängt, so dass man sehen konnte, wo man dazugehörte. Am Abend konnte, wer wollte zur Forststernwarte gehen. Es ist die erste Werkssternwarte der Firma Carl Zeiss. Es war eine Besichtigung für uns organisiert und wir konnten auch ins historische Fernrohr nach den Sternen schauen.

 

Am Samstag morgen hatten die Thüringer Töpfer bereits recht früh alles für das Frühstück hergerichtet: Semmeln/Brötchen geholt, Kaffee, Tee und andere Getränke hergerichtet. Bald ging es los, die Gruppen fanden sich zusammen und fuhren los nach Weimar.

 

An diesem Tag stand das Bauhaus im Zentrum: Wir waren auf den Spuren der Bauhäusler. Vergangenes Jahr war anläßlich des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus einiges neu hergerichtet und so kamen wir in den Genuß aktueller Ausstellungen. Unsere Gruppe begann mit dem Musterhaus "Am Horn“ ein 1923 errichtetes Versuchshaus des Bauhauses Anschließend ging es ins Bauhaus-Museum. Ohne größere Pause fuhren wir weiter nach Dornburg ins Bauhaus-Werkstatt-Museum. Hier hatte Walter Gropius, Gründer und Leiter des Bauhauses, 1920 die Töpferwerkstatt eingerichtet. Wir machten eine Zeitreise zu den Töpfern von Marcks, Bogler, Lindig, Friedlaender, und vielen weiteren der damaligen Zeit. Durch das Werkstatt-Museum führte uns der Leiter des Museums Herr Kessler. Bei den drei Stationen nahmen wir an sehr guten Führungen teil. So bekam ich einem Eindruck, welche Ideen und Zusammenhänge es gab. Unsere Gruppe machte noch einen Zwischenstopp mit Tee und Kaffee in der Werkstatt von Katrin Fröderking, sie hatte auch unsere Gruppe durch den ganzen Tag geführt. Anschließend ging es zurück ins „Basislager“ Schullandheim Stern. Hendrik Fröderking nahm es auf sich, alle in einem Fußmarsch hinunter in die Stadt Jena zum Paradies-Café zu führen. Es war eine etwa halbstündige Wanderung im Dunkeln, im Laubwald auf schmalem Weg im Gänsemarsch den Hügel hinab. Je weiter wir hinunter kamen, tauchten die Lichter der Stadt Jena auf. Hendrik hielt immer wieder die vordersten an, um zu warten, bis die Letzten der Gruppe aufschlossen und alle zusammenblieben. Entspannt durch den Spaziergang kamen wir im Paradies-Café an, wo dann die Party begann.

 

Es gab ein reichhaltigesThüringer Buffet. Fotos von dem Wettbewerb "Schlimmste Ecke" liefen über einen Beamer. Es war recht unterhaltsam zu sehen, dass man nicht nur in der eigenen Werkstatt Ekliges, viel Staub und Unordnung finden kann. Die meisten Stimmen sammelte das Foto mit der mumifizierten Maus (oder war es doch eine Ratte ?). Im Mittelpunkt stand bald natürlich das Tanzen und es war reichlich Platz dafür. Auf der Party spielte eine regionale Gruppe, mit einem abwechslungsreichen, unterhaltsamen Repertoire. Das Ganze war ein Treffen, bei dem man sich mit Bekannten austauschen und neue Leute kennenlernen konnte. Für die Rückfahrt gab es auch einen „Shuttleservice“. Die Söhne des Ehepaars Fröderking und von Lorenz Wittich fuhren auf Anfrage ein Auto voll mit müden Töpfer zurück zum Schullandheim Stern. Über die Tage hinweg war Thema, wo denn die nächste Winterlochparty stattfinden würde? Wer will dies machen, wen kann man dazu überreden? Gegen Ende des Abends ergriff Katharina Berzbach das Mikrophon und gab bekannt, dass sie die nächste Winterlochparty in Fischerhude machen möchte. Mitstreiter müsse sie noch finden… Sie erhielt dafür viel Beifall !!!

 

Die Musiker hörten gegen halb zwei Uhr auf zu spielen, die letzten gingen um 2 Uhr.

 

Am nächsten Tag ging es aber schon weiter. Frühstück wieder gut vorbereitet von den Thüringer Töpfern. Einige Töpfer machten sich bereit für die Abreise, die anderen fuhren zur Leuchtenburg in der kleinen Stadt Kahla. Das ist eine mittelalterliche Burganlage, sie beherbergt die Ausstellung Porzellanwelten.

 

Dort war wieder extra für uns Töpfer eine Führung organisiert. Gunnar Jakobson, ein ausgebildeter Töpfer, der die Ausstellung kuratiert hatte, führte uns durch die Ausstellung „Die neue Formenwelt - Design des 20. Jh. aus der Sammlung Högermann". Verpackt in 1.100 Bananenkisten gelangte die bedeutende Sammlung von Historiker Dieter Högermann auf die Leuchtenburg. Der Inhalt: Porzellanraritäten und Desginobjekte der "Guten Form". Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum Im Jahr 2019 wurden die bislang noch nie gezeigten Designschätze aus der bedeutenden Sammlung in einer Sonderausstellung auf der Leuchtenburg präsentiert.

 

Zusätzlich gab es eine Führung durch die andere Sammlung und die Burganlage. Wir waren nun am Ende des Programms der Winterlochparty und machten uns nach einer Brotzeit auf nach Hause. Wir nehmen recht viel mit. Einmal, wie herzlich und aufgeschlossen die Thüringer Kollegen sind. Vielen Dank für die hervorragende Vorbereitung und Ausführung der Winterlochparty 2020! Es gibt soviel Interessantes dort zu sehen, wir konnten nur einen Teil davon wahrnehmen. Dies ist ein Grund, auf eigene Faust sich noch einmal nach Jena und Weimar aufzumachen, es lohnt sich!

 

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